Warum wir die Natur nicht einfach sich selbst überlassen

24 oktober 2025

Oft hört man Extreme, wenn es um Naturpflege geht. Auf der einen Seite steht das strenge Unkrautmanagement: Jeder Keimling wird entfernt, und die Natur – die eigentlich wachsen will – bekommt kaum Raum. Das Ergebnis ist karger Boden mit Pflanzen, die sich nur schwer halten können.

Manchmal wird auch Naturschutz so verstanden, dass einfach nichts passieren darf – bloß keine Veränderung.

Auf der anderen Seite steht das Ideal, die Natur völlig sich selbst zu überlassen. Doch wer genau hinsieht, merkt: So funktioniert das nicht. Die Natur, wie wir sie heute kennen, ist unvollständig.

Ein Ökosystem ist wie eine Kette: Es besteht aus Gliedern, die nur zusammen das Ganze stabil halten. Durch Aussterben, intensive Landwirtschaft und Zerstückelung von Lebensräumen fehlen viele dieser Glieder. Raubtiere, große Weidetiere, aber auch unzählige Insekten und Pflanzen, die früher selbstverständlich ihren Platz fanden, gibt es kaum noch.

Wenn die Kette nicht vollständig ist, kann sich die Natur nicht selbst regulieren.

Für uns fühlt sich daher die dritte Möglichkeit am stimmigsten an:

Wir lassen die Natur wachsen, greifen aber dort ein, wo Glieder fehlen. Wir mähen und schneiden zum richtigen Zeitpunkt – so, als würden wir die fehlenden Weidetiere ersetzen. Wir nennen das Ernten und Nähren. Das geschieht dann, wenn es das Ökosystem stärkt. So entsteht eine Landschaft, die ökologisch wertvoll und zugleich ästhetisch ansprechend ist.

Denn auch Schönheit spielt eine Rolle. Eine Blumenwiese kann zum Beispiel unordentlich wirken, wenn sie direkt an der Straße liegt. Wenn wir den ersten Meter kurz mähen, bleibt das Straßenbild gepflegt, und es entsteht ein schöner Übergang zur bunten Blumenpracht. Die vermeintliche „Unordnung“ wird dadurch erst richtig schön. Und als Bonus entwickeln sich in dem kurz gemähten Streifen wieder andere Pflanzenarten.

Nicht alles muss streng geregelt sein. Manchmal lassen wir verblühte Pflanzen einfach stehen – weil sie getrocknet auch ihren eigenen Zauber haben. Mit dieser Arbeitsweise schaffen wir Raum und Bedingungen, in denen die Natur exponentiell wachsen kann.